Rund um Köln

Zeitlimit bei Jedermannrennen

In zwei Wochen ist unsere Premiere bei Rund um Köln. Die Verschiebung hin in den Juni tut der traditionsreichen Veranstaltung sicherlich gut. Bei der aufmerksamen Lektüre des Reglements bin ich jedoch auf einen Aspekt gestoßen, den ich nicht verstehe und vor dem es mit graut: das Zeitlimit.

Zeitlimit bei Rund um Köln

Die knapp 130 Kilometer lange Strecke ist arg wellig und weist gute 1.700 Höhenmeter auf. Umso erstaunlicher ist, dass hier eine Mindestgeschwindigkeit von 28 km/h gefordert ist. Diese wird – soweit ich das richtig verstanden habe – an drei Punkten via Zeitmessungen kontrolliert und zudem recht konsequent durch den Besenwagen durchgesetzt. So hat das Rennen im HFS-Forum den Beinamen Besenwagen-Challange erhalten. Und auch ich trete mit dem Bewusstsein an, dass das einzige Ziel es ist, vor dem Besenwagen ins Ziel zu kommen.

Warum das Zeitlimit bei einer so anspruchsvollen Strecke so streng ist, ergibt sich aus dem weiteren Programm des Tages. Die Strecke muss frei sein für die Profis und grundsätzlich ist es ja auch richtig Sperrungen so kurz wie nötig aufrechtzuerhalten. Eine ganze Stadt wie in Hamburg, Berlin, Frankfurt oder eben Köln abzusperren ist nicht ohne und strapaziert sicherlich die Geduld der Anwohner. Nicht zufällig lässt sich ein weiteres Rennen in München seit Jahren nicht etablieren, da die Eingriffe in den Verkehr zu erheblich sind. Und das obwohl eine große Radzeitschrift dort ansässig ist und als Veranstalter auftreten würde.

Aber zurück nach Köln und einen Vergleich mit Göttingen. Die Strecke hat in Summe ein ähnliches Höhenprofil, würde man hier die 28 km/h als Grenze nehmen, wären gut 1/3 aller Fahrer und Fahrerinnen aus der Wertung gefallen. In Göttingen ist das Zeitlimit etwas großzügiger, aber es gibt auch kein Profirennen im Anschluss.

Höhenprofil von Rund um Köln
Höhenprofil von Rund um Köln

Frage nach Henne und Ei

Was ist für eine Radveranstaltung wichtiger? Die Profis oder die zahlenmäßig deutlich überlegenden Jedermänner? Die TV-Gelder oder die Startgebühren? Welcher Teil der Veranstaltung ist der Kostentreiber? Ich kenne keine Details, aber ich vermute, dass die Jedermänner sowohl bei den Kosten als auch beim Ertrag einen erheblichen Beitrag leisten, auch wenn die Startgebühren allein sicherlich nicht zur Realisierung einer solchen Veranstaltung reichen. Aber die Jedermänner haben einen weiteren Vorteil: Ihre Masse und die Masse an Freunden und Familie. Wenn bei den Cyclassics etwa immer von 800.000 Zuschauern an der Strecke gesprochen wird – die es ja für die TV- und Sponsoren-Vermarktung braucht – muss die Zahl aus einer Kumulation erfolgen. Jedes mal wenn ich auf der Mönckebergstraße ins Ziel fahren, sind die letzten 500 Meter voll mit Menschen und auch die umliegenden Straßen sind gut gefüllt. Schaue ich gegen 17 Uhr die Ankunft der Profis im Fernsehen – sehe ich eine mehr oder weniger leergefegte Innenstadt. Ein Dilemma breitet sich aus. In Hamburg versucht man es dieses Jahr mit einer anderen Strecke für die Profis und einer deutlich reduzierten Mindestgeschwindigkeit auf der kurzen Strecke. Dadurch konnte der Start der Jedermänner auch auf eine christliche Zeit verschoben werden.

Wieder zurück nach Köln: Jedermänner bekommen ein sehr hartes Zeitlimit, damit die Profis freie Fahrt haben. Ich habe das Gefühl, die Veranstalter beschneiden hier das Gesamtpotential der Veranstaltung – allerdings machen die es ja auch nicht erst seit gestern, aber ich denke das ein Schnitt von 28 km/h bei knappen 2.000 Höhenmetern schon viele Sportler abschreckt.

Wie machen es andere Sportarten?

So viele Sportarten, bei denen Profis und Laien gemeinsam starten gibt es ja nicht, ein wenig ist das ja auch der Reiz, dass eigene Leistungen direkt mit den Profis verglichen werden können. Ähnlich verhält es sich noch beim Marathon. Hier starten die Profis einfach vor der Masse. Und wer einmal bei Kilometer 30 bei einem Marathon stand, der ist echt schockiert wie groß der Abstand ist. Warum nicht ähnlich auch bei Radrennen? Wäre doch auch nett für die Zuschauer? Hauptgrund dürfte die deutlich längere Strecke sein, die die Profis fahren (müssen) und dann würden sich beide Gruppen Richtung Ziel wieder ins Gehege kommen, es sei denn es gibt ein strenges Zeitlimit. Ich habe keine Lösung, finde manche Anforderungen aber zu streng…

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