Welche Shimano Schaltung?

Kein Herbst vergeht, ohne das in den einschlägigen Rennradmagazinen die Neuerungen der Schaltindustrie vorgestellt werden. Hier ein ganz unwissenschaftliche, super subjektive Erfahrung und eine Einschätzung, ob sich die Investition in eine höherwertige Shimano Schaltung lohnt.

Mein persönlicher Test bezieht sich auf die Erfahrung mit vier Shimano-Gruppen:

  • Die erste 10fach Gruppe der 105er Baureihe
  • Die letzte Version der 10fach Gruppe der 105er Serie
  • Die zweite Generation der Di2 Ultegra 11fach
  • Sonar 9fach unbekanntes Baujahr.

Zur Erinnerung, die Hierarchie der Shimano Schaltungen für Rennräder ist folgende:

  1. Dura-Ace Di2 (elektrisch betätigte Schaltung)
  2. Dura-Ace (früher: Crane)
  3. Ultegra Di2 (elektrisch betätigte Schaltung)
  4. Ultegra (früher: 600 EX / 600)
  5. 105
  6. Tiagra (früher: RX 100)
  7. Sora (früher: RSX)
  8. Claris
  9. 2200/2300
  10. Tourney A050/ A070

105er die Zuverlässige Shimano Schaltung

Es war mein erstes Rennrad und ich konnte nicht absehen, wie sehr mich dieser Sport fesseln würde, entsprechend habe ich nach einem Rad im Preisbereich 1.000 bis 1.500 gesucht. Eben ein typisches Einsteigerrad. Gewicht spielte keine große Rolle. Statt auf 100 Gramm bei der Schaltung, hätte ich mir einen Nachtisch verkneifen können und so hunderte Euro gespart. Entsprechend waren die Kriterien für mein erstes Rennrad Stabilität und Langlebigkeit.

Das die 105er Gruppe von Shimano Robust und Zuverlässig ist, war schon vor 10 Jahren kein Geheimnis. An meinem neuen Renner wurde entsprechend die damals neue 105er mit 10 Ritzeln montiert. Damals hatte ich wenig Vergleichswerte, für mich fühlte sich die Schaltung immer schnell und präzise an. Sie hat mich deutlich über 20.000 Kilometer ohne irgendwelche Ausfälle begleitet. Vier neue Ketten und zwei neue Ritzelpakete wurden verbaut, mal etwas nachjustiert, aber sonst nix. Keine Probleme mit den Zügen, die Kette ist mir nie vom Kettenblatt gesprungen, es hakte nirgends – die Zuverlässigkeit pur – ich würde mir immer wieder eine 105er kaufen.
105er am Crossrad

Das tat ich auch und zwar an meinem Crosser. Für den Winter, für Matsch und Schnee, wieder sollte die Schaltung vor allem zuverlässig und pflegeleicht sein. Und das war sie auch, bis auf, dass ein paar ganz coole Neuerungen hinzugekommen sind. Die Züge sind keine verkappten Wäscheleinen mehr, sondern verschwinden unterm Lenkerband und im Rahmen, was für eine tolle neue Aussicht. Auch in der Funktion hat sich etwas getan. Der linke Schalthebel kann die Kette nur ein kleines Stück bewegen um zu verhindern, dass sie am Umwerfer langscheuert und so schneller verschleisst und nervige Geräusche macht. Ansonsten verrichtet auch meine zweite 105er zuverlässig ihren Job, auch wenn man sie mal vor lauter Schlamm nicht sieht.

Sora – für den Urlaub

Leihrad in Portogal. Die Schimano Schalung Sora tat ihren Dienst, auf Dauer wäre das Schaltverhalten aber zu langsam.
Leihrad in Portogal. Die Schimano Schalung Sora tat ihren Dienst, auf Dauer wäre das Schaltverhalten aber zu langsam.

An einem Leihrad im Urlaub in Portugal war eine Shimano Schaltung der Sora-Gruppe montiert. Hier habe ich zum ersten mal erlebt, welche Abstände zwischen Gruppen herrschen können. 105er, Ultegra und Dura Ace sind auch unterschiedlich in ihrem Schaltverhalten, aber in erster Linie ist es das Gewicht und Verbesserungen im Detail. Zwischen Sora und der 105er liegen aber Welten. Es dauert einfach sehr lange bis Gänge richtig sitzen, es muss auch mal nachjustiert werden mit dem Hebel, die Kette läuft nicht so flüssig und auch das Wechseln der Kettenblätter erfordert etwas Geduld und in den richtigen Zeitpunkt. Bei vollem Krafteinsatz ging es gar nicht. Natürlich konnte man mit dem Rad fahren, aber auf Dauer wäre das sehr frustrierend geworden.

Schaltparadies: Di2

Ich weiß es noch genau. Es war bei einer Shoperöffnungsparty als ich das erste mal eine Di2 ausprobierte. Leider nicht im fahren, sondern auf einem Ständer montiert. Schon damals war ich von der Schaltgeschwindigkeit fasziniert. Diese Faszination hielt bis zum Kauf eines neues Rades, welches dann die Di2 der zweiten Generation mit einem 11er Ritzel und in der Ultegra-Version ausgestattet wurde. Nie wieder anders! War das Gefühl nach der ersten Ausfahrt, welches sich nach zwei Saisons auch nicht verändert hat. Unglaubliche Schaltgeschwindigkeit und Schaltpräzision. Knopf gedrückt, Gang drin. Völlig egal ob belastet oder nicht, ob vorn oder hinten. Knopf drücken, Gang drin. Schaltketten, im Bruchteil einer Sekunde vollzogen – Wahnsinn. Scheuern der Kette? Vergangenheit, weil der kleine Motor die Kette immer von allein in die richtige Position bringt.

Was man bei einer Di2 wissen sollte

  • Das Aufladen funktioniert über die Steuereinheit am Lenker – das stand wirklich nirgends
  • Der Akku hält ewig. Die oft kommunizierten 12.000 Kilometer halte ich zwar für etwas übertrieben, aber es geht in die Richtung und hängt natürlich von der Nutzung und Standzeit ab.
  • Den Ladezustand des Akkus kann man sehr leicht prüfen. Einfach einen Schalthebel länger drücken und auf die LED-Anzeige der Steuereinheit schauen. Die Skala reicht von Grün über Orange bis Rot.
  • Wenn der Akku leer ist, wird als erstes die Schaltung der Kettenblätter deaktiviert, dann die der Ritzel. Also schnell noch einen gemütlichen Gang suchen. Manuelles Schalten ist nicht möglich.
  • Die Di2 Shimano Schaltung kann natürlich auch eingestellt werden, etwa wenn ein neues Ritzelpaket mit einer anderen Übersetzung montiert wurde. Hierfür zwei Hebel gleichzeitig drücken und dann kann die Ausrichtung der Schaltung ähnlich der manuellen Schaltungen eingestellt werden. Es ist allerdings ähnlich fummelig wie bei einer manuellen Schaltung

Fazit rund um die Shimano Schaltung:

In Bezug auf die gesamte Palette von Shimano-Schaltungen gibt es große Unterschiede. Für Freude am Fahren sollte es mindestens die 105er sein. Diese glänzt durch Zuverlässigkeit und ein sehr gutes Preis-Leistungs-Verhältnis (auch bei den Ersatzteilen – hier gibt es erhebliche Unterschiede). Leichter und leichtgängiger wird es mit den hochwertigen Gruppen und am schönsten, wenn sie per Motor gesteuert werden. Da man diesen Komfort und Zuverlässigkeit niemals wieder missen möchte, gehört den Schaltungen auf jeden Fall die Zukunft.

Patrick Verfasst von:

Ein Kommentar

  1. E. S.
    4. Februar 2017
    Reply

    Hallo, vorab …. Shimano bin ich nie gefahren, nur Campa. Frage mich aber, wo es jetzt die eTap von SRAM gibt (fahre die seit 7000km) wo hat da Shimanos Di System mit all den Kabeln noch eine Berechtigung ??? Gruß, Eduard aus AT

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