400 Meter Laufbahn in Hamburg?

Laufen in seiner Gesamtheit boomt. Egal ob Jogging, ambitionierter Marathonlauf oder einfach um etwas an Gewicht zu verlieren. Die Statistiken der Sportartikelhersteller und die Teilnehmerzahlen der großen Sportveranstaltungen sprechen hier eine eindeutige Sprache. Und auch das mediale Interesse an Laufveranstaltungen und Leichtathletik im allgemeinen steigt langsam und konstant, liegt aber bei weitem hinter dem in TV und Medien dauerpräsenten Fussball. Wird hier über jede Wade, über jeden Zehnnagel eines drittklassigen Spielers berichtet, haben es Topleistungen aus anderen Sportarten schon schwer überhaupt in die mediale Wahrnehmung zu gelangen.

400 Meter Laufbahn
Das Ende der 400 Meter Laufbahn an der Bauerstraße in Ottensen/Bahrenfeld

Ein aktuelles Beispiel sind die Olympianormen des Deutschen Leichtathletikverbandes für die Marathondistanz in Rio 2016. Die Norm ist so ausgerichtet, dass ein deutscher Sportler theoretisch mindestens auf den achten Platz beim Olympialauf kommen sollte. Das dies kaum realistisch ist, und entsprechend für die Qualifikation unglaubliche nationale Leistungen vollbracht werden müssen, zeigt die Absurdität der Sportförderung und die Pervertierung des olympischen Gedankens – wie soll es werden, wenn Olympia wirklich nach Hamburg kommt. Wie sollen junge Talente so motiviert werden? Zur Motivation gehören aber auch entsprechende Trainingsbedingungen. Sportplätze, die nicht nur aus Rasen und zwei Toren bestehen sind dabei zentraler Bestandteil, aber es werden in Hamburg immer weniger und das für alle Leistungsstufen. So gibt es in Deutschland kaum noch Stadien, in denen die deutschen Leichtathletik-Meisterschaften ausgetragen werden können – größere Events dann fast nur noch in Berlin. Und auch lokale Hobby-Sportler haben es nicht leicht eine halbwegs akzeptable 400 Meter Laufbahn in Hamburg zu finden.

Beispiel Bauerstraße in Bahrenfeld/Ottensen

Eine ganz miese Bahn, die aber öffentlich zugänglich war und auch rege genutzt wurde. Sie wird jetzt zu 5 Fussballplätzen umgebaut – eine Laufbahn ist nicht vorgesehen.

Beispiel Memellandallee in Altona-Nord

Hier gibt es noch eine 400 Meter Laufbahn, allerdings nicht mehr lange, wenn das Stadion von Altona 93 wohl zum Ende der Saison 2015/16 eben zur Memellandallee umzieht. Einige Schulen haben noch eine Bahn, aber öffentlich sind die nicht. Da bleibt nur der Weg nach Stellingen, in den Stadtpark oder nach Hamm. Optimal ist das nicht. Vor allem weil weit und breit auch keine Plätze mehr für Vereine mehr da sind – wo soll der (erfolgreiche) Nachwuchs herkommen?

Fussballplätze an jeder Ecke

Dem gegenüber stehen eine Vielzahl von Fussballplätzen, auch in besten zentralen Lagen. Allein in meinem direktem persönlichen Umfeld in Ottensen befinden sich fussläufig 5 Plätze. In ganz Hamburg gibt es fast 300 Fussballplätze (inkl. den Kleinfeldern), denen stehen nur knapp 42 Laufbahnen gegenüber, die in Summe in einem schlechtem Zustand sind und in Altona ist eine Bahn schon weggefallen und die nächste folgt bald. Nun könnte man sagen – für Fussball gibt es eine größere Nachfrage, aber dem ist nicht so. In Deutschland gibt es über 11 Millionen aktive Läufer, während es nur circa 6 Millionen aktive Fussballer gibt. Gut 8,5 Prozent aller Deutschen gaben in den Jahren 2015 und 2014 an, Laufen wäre ihr Hobby. Gleiches sagten über Fußball lediglich 5 Prozent. Radfahren (Mountainbike + Rennrad) kam übrigens auf 7,5 Prozent.

Anzahl Läufer in Deutschland vs. Anzahl Sportstätten
Verhältnis von aktiven Sportlern, Hobbyangaben und der Anzahl der Sportstätten am Beispiel von Fussball und Laufen

Wer soll eine 400 Meter Laufbahn bezahlen

Was die Zahlen nicht sagen, ist der Organisationsgrad der einzelnen Sportarten, der beim Fussball natürlich viel höher ist, als bei den individual Sportarten. Wer soll also warum und mit welchen Mitteln, eine 400 Meter Laufbahn unterhalten? Das tolle am Laufen ist ja, dass es so geringe Einstiegsvoraussetzungen hat, einfach ein paar Schuhe anziehen und los geht es. Hier schließt sich der Kreis zu dem aktuellen Beispiel der Olympianorm der deutschen Marathonläufer – Verbände und Vereine sind gefragt, vielleicht in Kooperation mit Vereinen anderer Disziplinen oder Sportartikelherstellern neue Wege zu finden den Sport attraktiv zu machen und gute Trainingsbedingungen (auch in der Breite) zu schaffen. Läufer geben für jeden Schnick-Schnack Geld aus, sicherlich wären viele auch bereit für das Intervalltraining auf einer 400 Meter Laufbahn etwas zu bezahlen.


 

Quellen: Statista, Laufen in Deutschland und Erhebung der Sportstätten in Hamburg

Patrick Verfasst von:

Ein Kommentar

  1. Christian
    23. Juni 2017
    Reply

    Der Vergleich hinkt. Zum Kicken braucht man Feld und Tore. Zum Laufen bevorzugen viele eben Elbe oder Parks. Dennoch Danke für den Text. Ich war ebenfalls auf der Suche nach einer Bahn…

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